Wie alles begannů

Als im Jahr 2002 einer unserer Kollegen an Leukämie erkrankte, war das für uns alle ein Schock. Krebs ist immer noch eine Krankheit, mit der jemand sich erst auseinandersetzt, wenn sie einen selbst, Familienangehörige oder Freunde betrifft.

Nach der Chemotherapie stand fest, dass ihm nur noch eine Stammzellenspende helfen konnte. Für uns Kolleginnen und Kollegen und auch für die Schülerinnen und Schüler war klar, da müssen wir helfen. Und so organisierten wir kurzfristig in Zusammenarbeit mir der DKMS die erste Typisierungsaktion an unserer Schule. Obwohl sich damals sehr viele Menschen neu in die Spenderdatei aufnehmen ließen, konnten wir dem Kollegen nicht helfen. Er verstarb.

2005 erhielt ich von der DKMS die Information, dass mein erstes Typisierungsergebnis mit den Daten eines Patienten übereinstimme, ich also eventuell als Lebensspenderin in Frage käme. Weitere Untersuchungen der damals abgegebenen Blutprobe folgten. Als ich das Schreiben las, fiel mir unsere Aktion wieder ein. Ich überlegte, wie lange das eigentlich her war und kam zu dem Schluss: Viel zu lange! Und so dachte ich darüber nach, wie sich eine solche Aktion auch ohne konkreten Anlass wiederholen ließe.

Im Rahmen des Politik-Projektes übernahm die damalige HB 46 (Höhere Handelsschule) die Organisation. Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit waren dabei ganz besonders wichtig. Unter dem Motto "Schüler informieren Schüler" bereiteten sie zunächst die Präsentationen zum Thema für die anderen Klassen vor.

Ein Schüler aus Brühl, der dringend einen passenden Stammzellspender suchte, wollte die Klasse unbedingt bei der Arbeit unterstützen. Dieses Angebot wurde natürlich gerne angenommen. So gingen die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen in die einzelnen Klassen und informierten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ausführlich über die anstehende Aktion und die Hintergründe.

Schließlich konnten wir so 570 Mitschülerinnen und Mitschüler davon überzeugen, sich als potentielle Knochenmarkspender in die weltweite Datei aufnehmen zu lassen.

Für den betroffenen Schüler war leider kein geeigneter Stammzellenspender dabei. Mitte Oktober hat er seinen Kampf gegen die Leukämie verloren. Er verstarb im Alter von 21 Jahren. Dieses Ereignis hat mich nur noch in meinem Vorhaben bestärkt, diese Typisierungsaktionen regelmäßig an unserer Schule durchzuführen, denn es zeigt, dass es immer noch viel zu wenig potentielle Lebensspender gibt.

Ich kann nur hoffen, dass sich auch in diesem Jahr wieder viele Schülerinnen und Schüler an unserer Aktion beteiligen.



Ihre


Anne Hillebrand

P.S. Die weiteren Tests meiner Blutprobe haben ergeben, dass ich für diesen Patienten doch nicht in Frage komme. Schade, ich hätte gerne gewusst, wie es sich anfühlt Lebensretter zu sein!